Was bedeutet kultursensible Pflege?

In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege nimmt der Anteil an Patient*innen und Bewohner*innen, die aus anderen Kulturkreisen kommen stark zu. Warum genau jetzt? Ein Grund dafür ist die erste Generation der so genannten Gastarbeiter*innen, die in den 1950er bis 1970er Jahren nach Deutschland kam. Ursprünglich war der Aufenthalt nur vorübergehend geplant und eine Rückkehr in ihr Heimatland vorgesehen. Viele der ausländischen Arbeitskräfte entschieden sich dafür dauerhaft in Deutschland zu bleiben und ihre Familien nachzuholen. So wurden aus den Gastarbeiter*innen Arbeitsmigrant*innen. Diese Generation ist jetzt in dem Alter, in dem die Pflegebedürftigkeit eine immer größere Rolle spielt. Für die Pflege bedeutet das, dass immer mehr Menschen ambulant oder in Pflegeheimen versorgt werden, die sich eine Pflege wünschen, die ihre kulturelle Identität berücksichtigt: die kultursensible Pflege.

Was ist kultursensible Pflege?

Unter kultursensibler Pflege versteht man, dass eine pflegebedürftige Person entsprechend ihrer individuellen Werte, kulturellen und religiösen Prägung und Bedürfnissen leben kann und entsprechend versorgt und betreut wird. Und das trotz einschränkender Bedingungen, wie z. B. einer Unterbringung im Pflegeheim oder einer ambulanten Pflege, auch wenn das Pflegepersonal einen anderen kulturellen Hintergrund hat. Es geht bei der kultursensiblen Pflege darum, kulturelle und migrationsbedingte Dimensionen in der Pflegebeziehung bewusst, konsequent und kontinuierlich zu beachten. Das Bedürfnis nach kultursensibler Pflege wurde vom Gesetzgeber anerkannt und im § 1 Abs. 5 Sozialgesetzbuch (SGB) XI verankert:

„In der Pflegeversicherung sollen geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Pflegebedürftigkeit von Männern und Frauen und ihrer Bedarfe an Leistungen berücksichtigt und den Bedürfnissen nach einer kultursensiblen Pflege nach Möglichkeit Rechnung getragen werden.“

Wie lässt sich kultursensible Pflege umsetzen?

Die Voraussetzung für kultursensible Pflege ist Kultursensibilität und interkulturelle Kompetenz. Die kultursensible Pflege erfordert einen wechselseitigen interkulturellen Lern- und Anpassungsprozess zwischen professionell Pflegenden, Hilfebedürftigen, Angehörigen und der Einrichtung.

Pflegeeinrichtungen versuchen sich immer mehr auf kultursensible Pflege auszurichten. Das ist ein dauerhaft angelegter Prozess, der in die strukturelle Entwicklung der Einrichtung angebunden ist und nicht von heute auf morgen passiert.

  • Der erste Schritt sind häufig muttersprachliche Mitarbeiter zu beschäftigen. Das erleichtert die Kommunikation zwischen Pflegepersonal und Pflegebedürftigen, häufig ist so auch ein kulturelles Grundverständnis gegeben. Zudem werden Mitarbeiter*innen in kultursensibler Pflege geschult und dafür sensibilisiert.
  • Viele Pflegeeinrichtungen spezialisieren sich auf Konfessionen. So gibt es katholische und evangelische Träger, aber auch jüdische und muslimische.
  • Immer mehr Pflegeeinrichtungen erarbeiten interkulturelle Pflegekonzepte, z. B. mit einem Gebetsraum inkl. Badezimmer um die Gebetswaschung durchzuführen, einer muslimischen Wohngruppe und halalen Speisen. So können die Bewohner*innen ihren Glauben und ihre religiösen Rituale ausüben.

In der ambulanten Pflege gibt es vor allem in Ballungsgebieten immer mehr interkulturelle Pflegedienste, die sich auf Patient*innen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen spezialisieren. Genau wie in Pflegeeinrichtungen kommen hier häufig muttersprachliche Mitarbeiter*innen zum Einsatz, die die kultur- und religionsspezifischen Bedürfnisse kennen und darauf eingehen können.

Wo finde ich kultursensible Pflege?

Die kultursensible Pflege ist ein Bereich, der sich im Aufbau befindet. Vor allem in Großstädten und Ballungszentren gibt es Pflegeeinrichtungen, die sich bereits darauf ausgerichtet haben. Auch gibt es in ganz Deutschland Pflegedienste, die sich die sich auf pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund einstellen. Viele pflegerische Angebote sind allerdings bisher wenig oder gar nicht bekannt. Hier gilt es sich gut zu informieren und detailliert nachzufragen.

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