Hilfe, zockt mein Kind zu viel?

Ob auf dem Smartphone, Tablett, mit der Konsole oder am Computer: Videospiele begeistern. Erwachsene, aber vor allem Kinder. Viele Eltern machen sich Sorgen, dass das Gaming ihren Kindern schadet, dass sie süchtig danach werden und andere Interessen in Vergessenheit geraten. Es ist ein Konfliktthema in vielen Familien: Was ist altersgerecht und darf gespielt werden? Wie viel Zeit darf für das Gaming verwendet werden? Welche Risiken und Gefahren gibt es und sollten beachtet werden? Ab wann wird es zu viel? Oder ist es sogar schon eine Sucht?

Woher kommt die Faszination für das Gaming?

Für nahezu jedes Alter und Interesse gibt es das geeignete Online-Spiel: ob Action-, Denk- und Gesellschaftsspiele, Jump and Run, Egoshooter, Strategie, Simulation, Rollenspiele oder Sport.

Neben dem reinen Spielspaß, gibt es bei vielen Online-Spielen eine stark ausgeprägt soziale Komponente: Kinder und Jugendliche können live mit anderen in Gruppen spielen, sich untereinander austauschen und zusammen an Kampagnen oder Strategien arbeiten. Die Fähigkeiten jedes einzelnen Spielers müssen optimal eingebracht werden, um wiederum Anerkennung von den MitspielerInnen zu erfahren. Viele Online-Spiele sind auch mit sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook verknüpft. Darüber können SpielerInnen Spielstände posten oder andere zum Mitspielen auffordern. Auf YouTube gibt es sogar Kanäle, die darauf spezialisiert sind, das eigene Spielgeschehen abzufilmen und zu kommentieren – so genannte „Let’s Play Videos“.

Was sind die Gefahren des Gamings?
Online Games bieten viel Spaß, beherbergen aber auch einige Risiken:

  • Cybermobbing: Das Opfer wird von anderen fertig gemacht wird – nicht in der realen Welt, sondern in der Online Welt. Das kann über sogenannte Whisper-Kanäle im Sprachchat sein oder durch Überflutung des globalen Chats mit abfälligen Kommentaren über das Opfer.
  • Online Sexualstraftäter: Dabei handelt es sich meist um ältere Spieler, die Online Spiele nutzen, um jüngere Opfer zu ködern. Das Resultat können unangemessene Nachrichten, Webcam-Sitzungen oder sogar reale Treffen sein, die zu sexuellem Missbrauch führen.
  • Datenschutz & Privatsphäre: Informationen, die einmal in das Netz gestellt worden sind, können danach kaum mehr kontrolliert werden. Kindern ist oft nicht bewusst, dass sie sensible Daten wie Name, Telefonnummer und Adresse nie preisgeben sollten.
  • Versteckte Gebühren: Vorsicht bei so genannten Free2Play Spielen – ein kostenloses Spiel, das später doch Geld kostet. Ein typisches Feature der Free2Play-Spiele ist eine große und langwierige Aufgabe durch Geld schneller abzuschließen. Oft ist schon für die Anmeldung und den Start des Spiels die Angabe einer Kreditkarte erforderlich, die automatisch belastet wird, wenn der Benutzer neue Items oder Dienste hinzukauft.
  • Malware: Apps können modifiziert sein und Viren, wie zum Beispiel Trojaner beinhalten. So kann Kontrolle über das Gerät erlangt werden. Wählen Sie sorgfältig aus, welche Apps Sie herunterladen und laden Sie Apps nur aus vertrauenswürdigen Quellen herunter.

     Wie kann ich mein Kind dabei begleiten?

    „Begleiten statt überwachen“, so sagte es die Familienexpertin Nora Imlau. Grundsätzlich macht es Sinn, dass Sie als Eltern die Interessen Ihrer Kinder und Jugendlichen verstehen wollen. Tauchen Sie ein in die Welt der Online-Spiele! Probieren Sie die Spiele mal selbst aus. Lernen Sie neue Spiele gemeinsam mit Ihren Kindern kennen. Denn je mehr Sie wissen, desto besser können Sie Ihre Kinder frühzeitig über Risiken und Möglichkeiten der Nutzung aufklären.

    Bei der Auswahl von digitalen Spielen sollte darauf geachtet werden, dass sie altersgerecht sind. Dafür gibt es teilweise spezielle Alterskennzeichnungen. Am besten testen Sie das Spiel aber auch selbst und achten darauf, ob es realistische Gewalt enthält. Falls das Spiel Chats anbietet, sollten diese moderiert sein, damit jugendbeeinträchtigende Inhalte und Links entfernt werden. Informieren Sie sich vorab über in Frage kommende Spiele, wie zum Beispiel beim Spieleratgeber-NRW.

    Die meisten Online Spiele sind so genannte „Free2Play Spiele“.  Spiele, die kostenlos sind, sich dann aber über so genannte In-App-Käufe finanzieren. Das sind zusätzliche Inhalte, die während des Spiels gekauft werden können – das können weitere Leben sein oder bestimmte Gadgets, um die Aufgabe schneller abschließen zu können. Da bei den meisten Smartphones eine Kreditkarte hinterlegt ist, sind diese Einkäufe sehr leicht zu tätigen. Wichtig ist Kinder darüber aufzuklären und die Kosten gemeinsam im Blick zu halten. Es gibt die Möglichkeit auf dem Smartphones In-App-Käufe komplett zu untersagen. Alternativ gibt es die sogenannte Familienfreigabe: Sie können so die App-Nutzung regulieren – wenn Ihr Kind eine App herunterladen möchte, werden Sie oder andere Erziehungsberechtigte um eine Bestätigung gebeten und die In-App-Käufe beschränken.

    Online Spiele sind rund um die Uhr verfügbar und jederzeit zugänglich. Vor allem bei Spielen in Gruppen entsteht ein gewisser Druck möglichst viel Zeit in den gemeinsamen Spielerfolg zu investieren oder dafür zu sorgen, dass die bisherigen Erfolge erhalten bleiben. Um den Kindern Orientierung zu geben, kann es sinnvoll sein als Familie gemeinsame Regeln zur Nutzungsdauer aufzustellen. Bei älteren Kindern ab zehn Jahre empfiehlt es sich, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. So können sich die Kinder selbst organisieren und ein gesundes Maß finden. Im Alltag helfen Routinen: Zum Beispiel wird erst nach den Hausaufgaben und nur bis zum Abendessen gespielt. Danach ist Zeit für andere Interessen oder die Familie. Sie als Eltern kennen die Gewohnheiten ihrer Kinder am besten und können entscheiden, welche Vereinbarungen gut in den Alltag passen.

    Hinweis: Auf die Mischung kommt es an! Medienkonsum – tageweise auch relativ viel – schadet Kindern nicht, wenn sie insgesamt ein von Spiel und Spaß erfülltes Leben haben.

    Wie kann es zu einer Sucht kommen?

    Online Spiele werden gerne dafür benutzt, um die Stimmung zu verbessern. Und hier gilt es den Fokus drauf zu richten, denn so kann der Teufelskreis der Sucht beginnen: Bei Stress oder Sorgen sind Spiele eine willkommene Ablenkung. Das Hormon Dopamin wird ausgeschüttet – „der Botenstoff des Glücks“ – und sorgt für Glücksgefühle. Wird mit dem Spielen aufgehört, sind die Probleme und negativen Gefühle allerdings immer noch da… und werden im Zweifel mit der Zeit immer größer. Das Spielen sorgt immer wieder für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Mit der Zeit lässt die positive Wirkung des Spielens nach und man braucht mehr davon, um die gleiche Wirkung zu fühlen. Die Dosis steigt und die ungelösten Probleme werden größer. Der Teufelskreis beschleunigt sich.

    Wichtig als Elternteil ist die Anzeichen einer Sucht zu kennen und so frühzeitig einschreiten zu können. Die häufigsten Anzeichen einer Sucht sind:

  • Gedankliche Vereinnahmung: Gedanken drehen sich nur ums Zocken. Auf Schulweg oder im Bett.
  • Kontrollverlust: Gaming nimmt viel mehr Zeit ein, als gewollt und geplant. Ihr Kind fühlt sich so angezogen, dass er/sie manchmal vielleicht nicht mehr merkt, wie viel Zeit drauf gegangen ist.
  • Entzugserscheinung: Reaktionen von Körper und Psyche, die auftreten, wenn nicht gespielt wird. Nervosität, Gereiztheit, Aggressivität, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schlafschwierigkeiten
  • Toleranzentwicklung: Mit der Zeit kommt es zu einer Gewöhnung und wie bei Drogen benötigt es eine Dosissteigerung, bis das ersehnte gute Gefühl einsetzt.
  • Interessensverlust: Dinge, die früher interessant waren sind jetzt uninteressant, zum Beispiel Hobbys.
  • Täuschen/Verheimlichen: Anderen sagen, man hätte nur eine Stunde gespielt, wenn es eigentlich zwei waren. Oder auch komplettes Verheimlichen.
  • Negative Konsequenzen: Zu wissen, dass es negative Konsequenzen hat, die Hausaufgaben nicht zu machen und trotzdem wird weitergespielt.
  • Hinweis: Der angemessene Konsum von Computerspielen und Medien ist Konfliktthema in vielen Familien. Das aufgezeichnete Webinar „Hilfe mein Kind zockt zu viel“ vermittelt Ihnen Wissen, was dazu gehört, um von einer Sucht zu sprechen und wie häufig ein Teufelskreis entsteht, bei dem das Zocken einen kurzfristigen Ausweg für Probleme bietet. Zu finden ist es in unserem Login-Bereich “dein-Viva”

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