Grenzen setzen im Familienalltag

Es gibt diese Standardsätze mit denen ich groß geworden bin: „Kinder brauchen Grenzen“ oder auch „Kinder testen ihre Grenzen aus“. Beim Überschreiten der Grenzen drohen Konsequenzen – was oft ein Euphemismus für Bestrafungen ist. Aber ist das noch zeitgemäß? Im Familienalltag geht es darum, dass sich alle wohl und sicher fühlen – Grenzen tragen dazu bei, können aber auch zu Machtkämpfen führen.

Was sind eigentlich Grenzen?

Das Wort Grenze bedeutet “Rand eines Raumes” und ist damit ein Trennwert, eine Trennlinie oder Trennfläche. In der Kindererziehung verstehen wir unter einer “Grenze” einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Dieser Punkt darf nicht überschritten werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit Folgen in Form von Konsequenzen oder auch Sanktionen rechnen.

In einer Familie leben wir in einem Miteinander, in dem jeder das Recht hat, Grenzen zu bestimmen – sowohl Eltern als auch Kinder. Eltern haben dabei auch eine Vorbildfunktion: Indem Eltern für sich und ihre persönlichen Grenzen einstehen, zeigen sie, wer sie sind und übernehmen gleichzeitig Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen. Gleichzeitig sollten auch die kindlichen Grenzen von den Eltern respektiert werden. Kinder lernen so, dass jeder Mensch Grenzen hat, und können sich daran ein Vorbild nehmen, um auch ihre Grenzen gut zu wahren.

Was für eine Funktion haben Grenzen?

  • Grenzen dienen als Schutzraum: Ohne oder bei zu wenig Grenzen sind Kinder gefährdet, sich selber oder jemanden anderen zu schaden. Bis zu einem bestimmten Alter können Kinder einfach noch nicht das volle Ausmaß ihres Handelns einschätzen.
  • Grenzen schützen vor Gefahren. Sowohl im Haus als auch außer Haus können immer wieder Gefahren und Situationen auftreten, die die Einhaltung von Regeln nötig machen.
  • Grenzen geben Halt und Sicherheit: Sinnvolle und übersichtliche Regelungen machen ein Zusammenleben einfacher und geben dem Kind Sicherheit.
  • Grenzen zeigen den Handlungsspielraum auf (von hier bis hier hast du Freiraum, ab hier bestimme ich). Dadurch bekommen Kinder eine Orientierung.

Hinweis: Grenzen können freundlich, zugewandt und haltgebend sein. Sie können aber auch etwas Negatives sein, wenn sie hart und gewaltvoll vermittelt werden oder von Kindern Dinge verlangen, die diese gar nicht leisten können. Viele von uns sind selbst mit solchen unnachgiebigen, nicht entwicklungsgerechten Grenzen aufgewachsen.

Was für Grenzen gibt es?

Sprechen wir im gesellschaftlichen oder familiären Kontext von Grenzen, kann man in zwei Arten von Grenzen unterscheiden:

Bei den subjektiven oder auch individuellen Grenzen geht es um die persönlichen Grenzen eines jeden Einzelnen. Die können unterschiedlich sein und sind von vielen Dingen beeinflusst: die persönliche Geschichte, Erfahrungen aus der Kindheit und dem persönlichen Körperempfinden. Was für die einen zu laut ist, stört andere gar nicht. Was für die einen sehr schmerzhaft ist, ist für andere aushaltbar. Nora Imlau, sagte: „Wichtig ist, dass wir als Eltern, unsere persönlichen Grenzen spüren, kommunizieren und wahren. Wir dürfen unseren Kindern aufzeigen, wo sie aufhören und wo wir beginnen, wo unsere individuellen Scham- oder Belastungsgrenzen liegen, was wir wollen und was wir nicht wollen.“

Die objektiven oder auch gesellschaftlichen Grenzen sind Regeln bzw. Gesetze, die aus der Gesellschaft heraus entstanden sind. Diese Regeln ermöglichen uns als Gesellschaft ein gutes Miteinander. Kinder erlernen diese im Laufe der Zeit durch Vorleben und Erklären. Das ist zum Beispiel: Menschen dürfen anderen Menschen keine körperliche oder psychische Gewalt antun. Jeder Mensch hat das Recht Eigentum innezuhaben – Eigentum von anderen darf nicht willentlich zerstört oder weggenommen.

Hinweis: Für alle Grenzen und Regeln gilt immer, dass wir als Eltern und Erwachsene die Vorbilder sind! Wenn wir Kindern beibringen möchten, dass Gewalt kein Mittel ist, dürfen wir selbst keine Gewalt anwenden. Wenn wir ihnen beibringen möchten, den Besitz anderer Menschen zu achten, müssen wir ihren Besitz achten – auch wenn das, was für Kinder wertvoll ist, nicht unseren Begriffen von wertvoll entspricht.

Wie kann man Grenzen im Familienalltag setzen?

Beim Setzen von Grenzen gibt es ein paar Dinge, die man als Eltern beachten kann.

Die Grenzen sollten dem jeweiligen Alter und Entwicklungsstand entsprechen. Babies brauchen andere Grenzen als Jugendliche. Wichtig ist gerade bei Babies und Kleinkindern die entwicklungspsychologischen Meilensteine zu kennen. Die Fähigkeit einen Perspektivenwechsel vorzunehmen – das können Kinder aus Hirnbiologischen Gründen erst um den 4. Geburtstag herum. Impulskontrolle entwickelt sich sogar erst zum Eintritt in die Grundschule- davor können sich Kinder noch gar nicht vollständig unter Kontrolle haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Kinder ein gewisses Maß an Eigenerfahrung machen dürfen- je älter sie werden, desto mehr darf und sollte ihnen zugetraut werden. So können sie die Welt besser verstehen, wahrnehmen und selbstständiger werden.

Beim Aufzeigen von Grenzen ist es sinnvoll klar zu sein: gerade bei Babies und Kleinkindern sollten „nicht“-Formulierungen vermieden werden (denn die kann das Gehirn noch nicht verarbeiten). Aber auch bei älteren Kindern macht es mehr Sinn direkt zu sagen, was man möchte. Positive Botschaften sind in dem Fall klare Botschaften.

Es gibt Situationen, in denen es Sinn macht, wenige Wörter zu nutzen. So ist die Hauptbotschaft klar. Und manche Dinge müssen einfach nicht ausführlich erklärt oder begründet werden. In anderen Situationen macht es aber durchaus den Kindern zu erklären, warum man an dieser Grenze festhält. Verstehen die Kinder die Situation, steigt oft die Kooperation – das Ziel ist immer ein harmonischer Familienalltag und kein Machtkampf.

Wir wünschen uns verständnisvolle und kooperative Kinder, die Grenzen verstehen und anerkennen. Es ist aber absolut menschlich, dass Kinder (und auch Erwachsene) frustriert sind oder wütend werden, wenn sie Grenzen gesetzt bekommen. Die Aufgabe als Eltern ist es, in dem Moment die Frustration und Wut auszuhalten und zu begleiten – und nicht persönlich nehmen. Darüber hinaus sollten Eltern das Verhalten des Kindes nicht als persönlichen Angriff nehmen.

Es gibt Grenzen, die sind klar, logisch und kompromisslos. Andere sind individuell und können angepasst werden. Wichtig ist es beim Aufstellen von Grenzen den Kindern gegenüber klar zu sein und zu den Grenzen zu stehen. Das heißt aber nicht, dass man starr an Grenzen festhalten muss. Vor allem subjektive Grenzen und Regeln können und sollten immer wieder überprüft und ggf. angepasst werden – Kinder werden älter, Bedürfnisse ändern sich. Wenn Kinder Wünsche äußern – das erste Mal alleine zum Freund laufen oder bis Mitternacht weggehen – ist die erste Reaktion oft Ablehnung. Bevor man als Eltern kategorisch etwas ablehnt, macht es Sinn darüber nachzudenken. Der Satz „Das muss ich mir noch überlegen!“ ermöglicht Zeit zum Nachdenken und Besprechen und nimmt den Druck aus der Situation

Hinweis: Was keine Grenzen sind, sind Standardphrasen wie „Man macht das halt einfach so“ oder „So geht das nicht, das macht man so nicht“ oder auch “Ich musste das auch so machen”. Das kann schnell zu Frustration, Diskussionen und Streit führen.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren:

Im Familienalltag geht es vor allem darum, dass sich alle wohl und sicher fühlen. Es geht darum ein Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern zu ermöglichen, dass von gegenseitigem Respekt geprägt ist und nicht auf der Durchsetzung von Macht beruht.

 

Zum Thema “Grenzen im Familienalltag” kann noch so viel mehr gesagt werden. Und das machen: In unserem nächsten Lunch & Learn am 06. Dezember von 12 bis 12.30 Uhr. Die Anmeldung erfolgt im Kunden Log-in Bereich “dein-Viva.de”

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