Medienzeit für Kleinkinder: Ab wann und wie lang?

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil unseres Alltags: Fernsehen, Tablet, Smartphones und Smart Speaker. Unsere Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Berührung. Die Aufgabe für uns als Eltern ist es unsere Kinder bei der Mediennutzung von Anfang an zu begleiten und kindgerechte Angebote auszuwählen.

Ab welchem Alter sollte man mit digitalen Medien starten?

Dazu gibt es aus Expertensicht eine klare Antwort: So spät wie möglich. Tatsächlich sollten Kinder unter drei Jahren nicht fernsehen und Lernspiele, egal ob auf dem Smartphone oder Computer werden erst ab vier Jahrenempfohlen.

Hintergrund ist, dass Kleinkinder ihre Umwelt vor allem durch Ausprobieren und Nachahmen entdecken. Dazu brauchen sie die direkte Zuwendung und Anregungen von Personen, die direkt mit ihnen sprechen und spielen. Kleinkinder entdecken die Welt mit ihren Sinnen: Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen.  Dazu kommt die Möglichkeit, sich nach Lust und Laune zu bewegen. Das alles ist beim Umgang mit digitalen Medien nicht gegeben!

Im Alltag kommen Kleinkinder natürlich immer wieder in Kontakt mit digitalen Medien: ob sie den Bildschirm auf dem Smartphone antippen oder am Laptop „mitarbeiten“ wollen. Und das ist völlig in Ordnung! Fernseher müssen nicht weggeräumt und Smartphones nicht aus dem Haushalt verbannt werden. Für die Eltern gilt aber auf die Kleinkinder zu achten. Denn die können sehr schnell nervös, wütend oder erschöpft auf die Medienumgebung reagieren, weil ihnen alles zu viel wird. Das gilt vor allem beim Fernsehen – die Bildfolge ist zu schnell, als dass sie überhaupt etwas erfassen können. Aber auch schon das Radio oder die Musik, die dauernd laufen, kann für Kleinkinder zu viel sein.

Studien weisen darauf hin, dass Fernsehen in den ersten Lebensjahren die sprachliche Entwicklung beeinträchtigen kann, Kinder schlechter schlafen lässt und den Austausch zwischen Eltern und Kind behindert.

Wie oft und wie lange sollten Kinder Medien nutzen?

Konkrete Empfehlungen gibt es in der Tabelle von der Bundeszentral für gesundheitliche Aufklärung zu Medienzeiten von Kindern je nach Alter:

  • 0-3 Jahre: regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen (ab etwa 6 Monate)
  • 3–6 Jahre: regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen, bis zu 45 Minuten Hörmedien und gemeinsam bis zu 30 Minuten Bildschirmmedien
  • 6-10 Jahre: regelmäßig lesen/vorlesen, bis zu 60 Minuten Hörmedien und gemeinsam bis zu 60 Minuten Bildschirmmedien

Wichtig dabei: Jedes Kind und jede Familie ist anders. Die Angaben geben eine Orientierung, die von Fachleuten entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um Richtwerte. Diese Fachleute kennen weder Ihr Kind noch Ihre Familie – Sie sind der/die Expert*in, wenn es um Ihre Kinder geht. Manche Kinder lassen sich gar nicht von Medieninhalten beeinflussen, andere sind reagieren sehr stark. Behalten Sie Ihr Kind im Blick: Wirkt es nach der Medienzeit teilnahmslos, gelangweilt oder aggressiv, kann es sich nicht konzentrieren oder ist überdreht? Dann kann es sein, dass die Medienzeit zu lang war. Versuchen Sie beim nächsten Mal, die Zeit etwas zu kürzen.

Hinweis: Es gibt immer wieder Situationen, in denen Digitale Medien als „Babysitter“ eingesetzt werden. Das sollte natürlich nicht der Alltag sein, aber in manchen Situationen heiligt der Zweck die Mittel.

Wie bringe ich meinem Kind eine maßvolle und gute Mediennutzung bei?

Kleinkinder haben sehr viel zu lernen. Auch der Umgang mit Medien muss gelernt werden. Dabei ist die vertrauensvolle Begleitung durch die Eltern wichtig.

  • Regeln:Regeln helfen dabei, Konflikte zu vermeiden. Im besten Fall legen Sie die Regeln gemeinsam mit Ihren Kindern fest – nicht als Folge eines Streits, wenn es Ihnen zu viel geworden ist, sondern in Ruhe. Besprechen Sie gemeinsam, warum eine zeitliche Begrenzung sinnvoll ist. Versuchen Sie sich zu einigen. Die Regeln können auch alltägliche Abläufe einschließen, zum Beispiel: 30-Minuten Fernsehen vor dem Abendessen oder Fernseher nur morgens am Wochenende; nach dem Abendessen gibt es keine Bildschirmzeit mehr. Und natürlich kann es auch mal Ausnahmen zu den vereinbarten Regeln geben kann
  • Kindern die Dauer ihrer Medienzeit begreiflich machen:Mit einer Stoppuhr am Smartphone, einem Wecker oder einer Eieruhr neben dem Bildschirm lässt sich spielerisch ein Gefühl für Zeit entwickeln und Kindern klar signalisieren, wann die Medienzeit beendet ist. Dafür gibt es mittlerweile auch speziell entwickelte Gadgets, wie zum Beispiel der Timebow.
  • Bleiben Sie im Gespräch:Tauschen Sie sich darüber aus, welche Serien und Geschichten bei Ihrem Kind angesagt sind- tauchen Sie mit Ihrem Kind in neue Welten ein.
  • Vorbild sein:Gehen Sie mit gutem Vorbild voran. Leben Sie vor, dass man zu gewissen Zeiten problemlos auch ohne Internet und Smartphone auskommen kann.

Hinweis: Digitaler Medienkonsum kann bei Kleinkindern, solange er sinnvoll und nicht übermäßig eingesetzt wird, kindliche Denk- und Lernprozesse anregen. Es gibt reichlich Kinderprogramme, die Wissen kindgerecht vermitteln, in denen zum Beispiel Funktionsweisen von Dingen erklärt oder andere Kulturen näher gebracht werden.

Unsere praktischen Tipps für den Alltag:

Grundsätzliches zum Fernsehen:

  • Schauen Sie so oft es geht gemeinsam. Bekannte Formate und Videos, von denen Sie wissen, dass Ihr Kind damit gut zurechtkommt, kann Ihr Kind gelegentlich auch alleine anschauen. Und sprechen Sie danach mit Ihrem Kind über das Gesehene, um die Inhalte zu verarbeiten.
  • Altersgerechte Inhalte: Informationen zu einzelnen Sendungen finden Eltern zum Beispiel auf FLIMMO– ein Elternratgeber für TV, Streaming, YouTube und Kino
  • Kein Fernsehen kurz vor dem Schlafengehen, denn das kann sich negativ auf die Qualität und die Dauer des Schlafs auswirken.

Grundsätzliches zu Apps/ Spielen:

  • Das Smartphone bzw. Tablet kindgerecht einrichten: Egal ob Bildschirmzeit, Geführter Zugriff oder InApp Käufe verhindern. Sowohl bei iOs als auch bei Android gibt es viele Möglichkeiten die Geräte kindersicherer zu machen.
  • Zu beachten sind die Alterskennzeichen der USK, auch wenn diese nichts über die Qualität des Spiels sagen. Empfehlungen finden Eltern auf  datenbank-apps-fuer-kinder.de – eine umfangreiche Datenbank vom Deutsche Jugendinstitut und auch klick-tipps.net präsentiert regelmäßig neue und sichere Apps für Kinder.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind über die Inhalte der App und stellen Sie Bezüge zu seiner realen Welt her: So ergänzt etwa die Tier-App den Zoobesuch.

Grundsätzliches zur Mediennutzung:

  • Keine Verbote: Mediennutzung sollte nicht als Mittel für Belohnung und Strafe eingesetzt werden. Dem Medium wird dabei eine Bedeutung verliehen, die mit dem eigentlichen Grund der Bestrafung (z.B. das Zimmer wurde nicht aufgeräumt) nichts zu tun hat. Das Interesse an Smartphones oder Fernsehen wird durch das Verbot noch gesteigert.
  • Kein schlechtes Gewissen: Kinder mögen Fernsehen und Smartphones genauso wie Erwachsene: Um abzuschalten, zu lernen, sich zu informieren oder um sich unterhalten zu lassen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Ihr Kind nicht nur “pädagogisch wertvolle” Sendungen guckt. Oder dass es überhaupt Medien nutzt, anstatt “sinnvoll” zu spielen. Natürlich nur so lange der Inhalt und die Bildschirmzeit altersgerecht sind.

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